TEL Ostholstein unterstützt in Rheinland-Pfalz

Lensahn, den 05.08.2021

TEL Ostholstein unterstützt in Rheinland-Pfalz







(TEL OH) Der kräftezehrende Einsatz im Rahmen des mobilen Führungsstabes des Landes Schleswig-Holstein wurde zur Bewährungsprobe für den neuen ELW 2.

Es ist der 14.07.2021 als sintflutartige Regenfälle mehrere Flüsse und Bäche in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in reißende Ströme verwandelten. So auch den sonst beschaulichen Fluss Ahr in der Eifel, dessen Höhe, aufgrund ausgefallener Messstellen am Pegel Altenahr, auf 700cm geschätzt wurde. Das sind mehr als 300cm über dem letzten Jahrhunderthochwasser (2016) und einige Meter über dem normalen Wasserstand.

„Wie ein Tsunami“, so berichten Anwohner, „wälzte sich die Flutwelle hier durch das Tal.“ Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch die Region -hunderte zerstörte Häuser, viele Verletzte und viele Tote-.

Am Abend des 16.07.2021 begannen in Schleswig-Holstein Vorbereitungen auf einen möglichen Einsatz des Katastrophenschutzes in Rheinland-Pfalz. Da zunächst der Bedarf nicht näher definiert war, beschränkte sich die Verfügbarkeitsabfrage auf die Kräfte des Rettungs-/Sanitäts- und Betreuungsdienstes sowie des mobilen Führungsstabes (MoFüSt) des Landes Schleswig-Holstein.

Für den MoFüSt-Einsatz wurde die Technische Einsatzleitung (TEL) des Kreises Ostholstein ausgewählt, die zu diesem Zweck mit dem entsprechenden Fahrzeug ausgestattet worden ist. Zügig stand ein schlagkräftiges Kontingent fest – nur der Einsatzauftrag fehlte.

Am folgenden Wochenende wurden zwischenzeitlich Verfügbarkeitsabfragen bei den Feuerwehrbereitschaften durchgeführt, bevor es dann am Montag die eigentliche Anforderung aus Rheinland-Pfalz gab. Zwar blieben die Ostholsteiner Feuerwehrbereitschaftskräfte außen vor, doch sollten die Kräfte der TEL den Personalkörper des MoFüSt bilden sowie Fahrzeug und Gerät stellen.

Am Dienstag begann der Anmarsch. Genaues Ziel und Zeit unbekannt, mit Zwischenstopp und Befehlsausgabe im Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) Neumünster. Gegen Mittag erfolgte die Verabschiedung durch Landrat Sager, Fachdienstleitung und Kreiswehrführung . Im Bereitstellungsraum Neumünster folgten Einteilung und Bekanntmachung des Plans und sodann machten sich die ersten Kräfte des MoFüSt unter Leitung von Martin Guttchen (BF Kiel) und Marc Kutyniok (BF Neumünster), als Vorauskommando auf den Weg in das Einsatzgebiet. Ziel: der Nürburgring.

Das Hauptkontingent mit insgesamt 180 Fahrzeugen und 700 Einsatzkräften marschierte in einzelnen Marschverbänden im geschlossenen Verband mit zeitlichem Versatz – Marschzeit rund 11 Stunden. Eine Belastung für Fahrzeug, Gerät und Kraftfahrer/-innen.

Schon auf dem Weg galt es diverse Unwägbarkeiten zu lösen, z. B. den Umstand, dass der Bereitstellungsraum am Nürburgring keine Kapazitäten für ein Kontingent dieser Größenordnung hatte. Eine Lösung musste her. Doch der Sinn eines Vorauskommandos ist eben genau der, dass man solche Probleme löst und so landete der ganze Tross schlussendlich in der Gemeinde Windhagen im Kreis Neuwied. Ein großes Veranstaltungszentrum, mit Sporthallen und Sportplatz, wurde kurzerhand zur Übernachtungsstätte. Eine benachbarte Firma stellte einen großen Parkplatz als Bereitstellungsraum zur Verfügung. Der Bürgermeister der Gemeinde hatte sogar schon Brötchen für das Frühstück bestellt. Nicht die einzige „Heldentat“ des Bürgermeisters von Windhagen.

Der erste Tag im Einsatzgebiet war von Störungen geprägt, die nicht vorzuplanen waren. So musste das gesamte Kontingent noch einmal verlegt werden. Ziel war wieder der Nürburgring und wieder stellte sich heraus, dass dort nicht genug Kapazitäten vorhanden sind. Es ging also wieder zurück nach Windhagen.

Auf dem Rückweg erhielt das Kontingent bereits Einsatzaufträge. Es galt u.a. einen Flugplatz in Bad Neuenahr brandschutztechnisch zu sichern, so dass die Versorgung abgeschnittener Ortschaften über Luftbrücke möglich blieb.

Im Hintergrund planten die Kräfte des MoFüSt den gesamten Einsatz der eigenen Kräfte, erstellten Lageübersichten und Kommunikationspläne, erkundeten Einsatzgebiete und hielten die Verbindung zum Stab des Landes Rheinland-Pfalz, dem MILIG in Schleswig-Holstein sowie zu anderen Einrichtungen. In Zusammenarbeit mit den Facheinheiten musste ein Logistikkonzept (z. B. die Versorgung der Einsatzkräfte und der Fahrzeuge) organisiert und ausgeführt werden. Ein gutes Team aus der TEL Ostholstein, mit Verstärkung durch Kräfte der BF Lübeck, des Ministeriums für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung (MILIG) und unterstützt durch Fachexperten aller Bereiche, schaffte hier innerhalb kürzester Zeit Strukturen, die ein autarkes Leben und Arbeiten möglich machten.

Besonders hilfreich hat sich hier der gute und enge Kontakt zu Vertretern lokaler Behörden, Einrichtungen und Einheiten dargestellt, denn so konnten viele Probleme ganz schnell gelöst werden.

In den Folgetagen waren die vier „Feuerwehrbereitschaften Schleswig-Holstein“ (Modifizierte Feuerwehrbereitschaften – erweitert durch THW- und Sanitätskräfte) dauerhaft im Örtchen Insul, welches schwer getroffen worden ist, und in Bad Neuenahr selbst im Einsatz.

Bilder der Zerstörung und des Leids offenbarten sich den Einsatzkräften. Gut, dass auch ein großes Kontingent PSNV-Kräfte mit in den Einsatz gegangen war.

Mit sehr viel Engagement konnten die schleswig-holsteinischen Kräfte einen echten Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten.

Im Verlauf des Einsatzes des 1. Kontingents wurde zusätzlich die Unterabschnittsleitung eines Gebiets in Bad Neuenahr (rund um den Kurgarten und das Steigenberger Hotel) übernommen, so dass die Kräfte des Kreises Neuwied, die hier von Minute 1 an eingesetzt waren, eine wohlverdiente Pause bekommen konnten. Diese besondere Verantwortung erforderte eine Menge Flexibilität und Nervenstärke, doch genau das war der Grund für den Einsatz vor Ort.

Eine wahre Hilfe war hier die personelle Unterstützung durch das Personal der TEL Neuwied, die den ELW 2 nebst Fernmeldepersonal am Einsatzort beließen, bis schließlich die Kräfte der TEL Stormarn mit Fahrzeug und Gerät zum Austausch anrückten. Es war eine großartige Zusammenarbeit auf unbekanntem Terrain.

Während in Bad Neuenahr der Einsatz der Kräfte nun direkt koordiniert werden konnte, was die Schlagkraft deutlich erhöhte, begann man in Windhagen, neben dem Tagesgeschäft, bereits mit der Planung der Ablösung, denn das Land Rheinland-Pfalz bat um Verlängerung des Einsatzes.

Am Sonntag, 25.07.2021, hieß es dann im Tagesverlauf Übergaben machen, Sachen packen und den Heimweg antreten. Es ist schon Mitternacht, als die letzten Kräfte der TEL Ostholstein wieder in der Heimat eintreffen.

Der neue Einsatzleitwagen 2 hatte sich im Einsatz bewährt und blieb für das zweite Kontingent vor Ort. Die Einsatzkräfte hatten eine harte Woche hinter sich und alle waren froh wieder zuhause sein zu dürfen.

(P. Bönig)